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Erweiterung Gymnasium Überruhr

Erweiterungsneubau am Gymnasium Essen-Überruhr

Gymnasium Überruhr

Ein Vorzeigeprojekt der Stadt: Die erste Schule als Passivhaus.

Mit finanzieller Unterstützung durch das Konjunkturpaket II des Bundes konnte das Gymnasium an der Langenberger Straße mit einem vierzügigen Schulneubau für naturwissenschaftliche, musische und künstlerische Fachräume erweitert werden. Dazu mussten die aus den 80er und 90er Jahren stammenden maroden Pavillons zunächst abgerissen werden. Insgesamt 10 Mio. Euro wurden in den Neubau investiert, davon eine Mio. Euro aus städtischem Haushalt.

Der neue Baukörper vermittelt in der Höhenstaffelung zwischen dem 3-geschossigen Zentrum der Schule und der 2-geschossigen alten Erweiterung. Es ist eine Nahtstelle zwischen Sportbereich und bestehender Schule entstanden. Die Forumsidee des Zentralbaukörpers wird durch den Eingangshof, der durch die geplante Raumkante entsteht, verstärkt. Eine neue, eindeutige Markierung der Eingangssituation wird durch die organische Formensprache der Mensa und der Mehrzweckräume erzeugt. Der Riegel wird durch Einschnitte am Baukörper, welche Bezug zum 3-geschossigen Zentralbaukörper aufnehmen, am Ort verankert.

Das Raumprogramm

Das Gebäude ist funktional organisiert und ermöglicht einen effektiven Lehrbetrieb. Die lineare Organisation der Fachräume wird durch zwei Brückenverbindungen an die Flurenden der Klassentrakte des Bestandsgebäude angebunden und ermöglicht somit den Schülern und Lehrern auf kürzestem Wege Zugang zu den Fachklassen, ohne umständliche Wege über das Erdgeschoss in Kauf nehmen zu müssen. Der Gruppenunterricht wird nicht durch ein ablenkendes „Gegenüber“ beeinträchtigt.

Die interne Erschließung der neuen Erweiterung wird in Sichtachse der Fluranbindung aus dem Bestand angeordnet. Die Vorbereitungsräume der Fachklassen sind direkt mit den Fachräumen verbunden. Die Flure variieren in der Breite und ermöglichen Kommunikationsflächen und auch Bereiche für konzentriertes Arbeiten. Die transparente Fluraufweitung ermöglicht Sichtbeziehungen in den Eingangshof und nimmt Bezug zum Bestand auf. Die Eingangsebene ist freier formuliert und beinhaltet die Ganztagsfunktionen aufgegliedert in Speiseversorgung und Mehrzweckräume.

Das Thema „über-Ruhr“ wird hier deutlich durch die gewählte Formensprache und die Materialität. Durch die „schwebenden“ Obergeschosse können die Freiflächen rund um den Ganztagsbereichen als überdeckte Pausenzonen genutzt werden. Freiräume für den Ganztag sind jeweils am Kopf des Riegels angeordnet, um Beeinträchtigungen für die obergeschossigen Fachräume auszuschließen. Der Musik-Fachbereich ist auf einer tiefer liegenden Ebene angeordnet und wird durch eine amphitheaterartige Abböschung belichtet und akustisch von anderen Bereichen getrennt. Dies ermöglicht Konzert- und Veranstaltungsnutzungen im Freibereich und optional einen Freizeitbereich für den Ganztag. Lage und Position gewährleisten, dass keine Beeinträchtigung anderer Nutzungsbereiche entsteht.

Die Fassade

Der Charakter des „schwebenden“ Gebäudes wird auch über die Fassaden erlebbar. Transluzentes Profilbauglas mit hinterlegten, weiß kaschierten Fassadendämmplatten verstärken den Eindruck der Leichtigkeit und Transparenz des Erdgeschosses. Die den Freiräumen angeordneten Mensabereiche im Erdgeschoss haben eine Pfosten-Riegelkonstruktion erhalten. Der „massive“ Baukörper, umhüllt von Faserzement-Fassadenplatten in verschiedenen Formaten in Rottönen, macht durch eingeschnittene Fensterbänder die Klassentrakte erfassbar. Partiell werden vor Öffnungsflügel Gitterrost-Paneele gehängt, welche eine einbruchssichere Nachtlüftung ermöglichen. Das Zusammenspiel zwischen leichten, transparenten Fassadenelementen und der ruhig gegliederten Obergeschossfassade erzeugt ein zeitloses und dynamisches Erscheinungsbild.

Klimatisierung

Der Neubau wurde in der Passivhausbauweise realisiert. Die Gebäudehülle verfügt über einen sehr hohen Wärmeschutz. Die Fenster mit thermisch getrennten Aluminiumprofilen und einer 3-fach Isolierverglasung sorgen im Winter für geringe Wärmeverluste. Die Qualität der Verglasung ermöglicht hohe Oberflächentemperaturen der Fensterflächen, dadurch werden Strahlungstemperaturunterschiede in den Räumen vermieden und ein angenehmes Raumklima geschaffen.

Das Gebäude kann außerhalb der Heizperiode von März bis Oktober konventionell natürlich belüftet werden. Die Belüftung des Gebäudes erfolgt über zwei zentrale Be- und Entlüftungsanlagen. Hierbei erhalten die innenliegenden Bereiche mit belasteter Abluft z.B. in den Toilettenanlagen eine Anlage mit Wärmetauscher die einen Wärmerückgewinnungswirkungsgrad von mehr als 80 % erzielt. In den Klassenräumen kommen Wärmetauscher zum Einsatz, bei denen eine Wärmerückgewinnung von über 85 % bei gleichzeitiger Feuchterückgewinnung von ca. 65 % erreicht wird. Die regenerative Lüftungsanlage der Klassenräume wird nur in der Winterzeit betrieben. Durch diese Maßnahme kann der elektrische Bedarf der Lüftungsanlage gesenkt und optimiert werden.

Die Frischluft gelangt durch die Lüftungsanlage über Weitwurfdüsen in die Unterrichts – und Aufenthaltsräume. In der Sommerzeit führt die massive Bauweise aus Stahlbeton zu einer hohen Gebäudeträgheit und somit angenehmen Raumklima. Eine außenliegende tageslichtabhängig geregelte Verschattung reduziert Strahlung. Der Verglasungsanteil wurde in Fassadenbereichen auf die Hälfte begrenzt. Außerhalb der Heizperiode ist eine zusätzliche Belüftung in der Nacht durch besonders gesicherte Fenster möglich. Die Energieversorgung erfolgt über ein Blockheizkraftwerk, auf diese Weise wird eine CO²-arme Energieversorgung für den Neubau realisiert.

Außenanlagen

Ein breites Band führt auf den neuen räumlich gefassten Eingangshof und bildet eine eindeutige Adresse aus. Die Speise- und Betreuungsräume werden von diesem zentralen Hof direkt erschlossen, ein ansprechender Freibereich für diese Nutzungseinheit ist entstanden. Eine breite Treppenanlage führt zu dem tiefer liegenden Bereich vor den Musikräumen. Von hier aus erstreckt sich ein geböschter Bereich mit Sitzmöglichkeiten, der gut als Atrium für Veranstaltungen genutzt werden kann. Im Anschluss daran kann zukünftig ein zusammenhängender Freibereich für die Ganztagesbetreuung geschaffen werden, mit Bereichen für Bewegung sowie Sitzbänken für ruhigere Aktivitäten. Der Entwurf des Essener Architektenbüros Schröder & Kamm Gesellschaft von Architekten mbH wurde nach europaweitem einphasigen Realisierungswettbewerb mit dem ersten Platz belegt.

Management und Leitung des Projektes sowie die Ausführungsplanung erfolgte durch die Immobilienwirtschaft der Stadt, die Bauleitung übernahm die GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH.